Der Begriff Gründerzeit bezeichnet eine historische Epoche in der Architektur und Stadtentwicklung in Deutschland und Österreich zwischen etwa 1870 und 1914. Sie ist durch einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und ein rasantes Wachstum der Städte gekennzeichnet. Im Immobilienkontext steht der Begriff Gründerzeit für einen Altbau-Stil, der sich durch eine repräsentative und oft aufwendig gestaltete Architektur auszeichnet.
Typische Merkmale der Gründerzeitbauten sind die Verwendung von Massivbauweise, dicke Mauern, hohe Decken und große, oft symmetrische Fenster. Die Fassaden sind meist reich verziert mit Stuck, Erkern, Balkonen und Giebeln. Im Inneren finden sich oft großzügige Grundrisse, verzierte Treppenhäuser, Flügeltüren und Parkettböden. Die Bauten dieser Zeit waren in der Regel mehrgeschossige Mietshäuser für das aufstrebende Bürgertum, aber auch repräsentative Villen und öffentliche Gebäude entstanden in diesem Stil. Aufgrund ihrer soliden Bauweise und ihres oft besonderen Charmes sind Gründerzeitgebäude bis heute sehr beliebt. Bei der Immobilienbewertung wirken sich die aufwendige Architektur und die oft zentrale Lage der Gebäude positiv auf den Verkehrswert aus, auch wenn sie aufgrund ihres Alters und der veralteten Technik einen höheren Instandhaltungs– und Modernisierungsaufwand erfordern.